Fütterung — der Bienenwinter naht

Im August denkt man nor­ma­ler­wei­se an Bade­strand, Son­nen­schein und Urlaub. Für die Bie­nen geht aber jetzt das Jahr schon lang­sam zu Ende. Zeit, an die Füt­te­rung für die Win­ter­vor­rä­te zu denken.

Die Mas­sen­trach­ten sind im August alle lang vor­bei, nur in Gebie­ten mit Hei­de­kraut und grö­ße­ren Son­nen­blu­men­fel­dern gibt es noch nen­nens­wer­te Men­gen an Fut­ter. Zwar fin­den die Bie­nen immer noch blü­hen­de Pflan­zen, aber sie brin­gen nicht mehr die Mas­se an Pol­len und vor allem Nek­tar, die für das Anle­gen der Win­ter­vor­rä­te nötig ist. Da der Imker die im Früh­jahr und Som­mer ange­leg­ten Reser­ven — soweit vor­han­den — zum gro­ßen Teil ent­nom­men hat, muss er jetzt im Spät­som­mer mit künst­li­chem Fut­ter Ersatz schaf­fen, damit die Völ­ker doch noch aus­rei­chend Vor­rä­te anle­gen können.

Welches Futter?

Als Fut­ter kommt Zucker in ver­schie­de­nen For­men in Betracht. Der Han­del bie­tet fer­tig ange­misch­ten Sirup aus Wei­zen oder Mais an, zum Beispiel:

  • Api-Food Sirup (API ALSACE ICKOWICZab ca. 0,60 €/kg)
    1 kg Api-Food ent­spricht 0,75 kg kris­tal­li­nem Zucker [2]
  • ambro­sia® Bie­nen­fut­ter­si­rup (Nord­zu­cker, ab ca. 1 €/kg)
    1 kg ent­spricht 0,73 kg Kris­tall­zu­cker [3]
  • Api­in­vert Fut­ter­si­rup mit Fruc­to­se (Süd­zu­cker, ab ca. 1 €/kg)
    1 kg Api­in­vert ent­spricht 0,73 kg kris­tal­li­nem Zucker [4]

Die Her­stel­ler wer­ben mit der angeb­lich spe­zi­ell für Bie­nen ange­pass­ten Zusam­men­set­zung. Das bezieht sich auf das Ver­hält­nis der Zucker­ar­ten Mal­to­se, Sac­cha­ro­se, Glu­co­se und Fruc­to­se. Ein hoher Fruc­to­se-Anteil soll den Bie­nen die Inver­tie­rung der Sac­cha­ro­se abneh­men und daher beson­ders effek­tiv sein. Mehr­jäh­ri­ge Ver­su­che der Lan­des­an­stalt für Bie­nen­kun­de an der Uni­ver­si­tät Hohen­heim haben aller­dings erge­ben, dass es bei der Völ­ke­r­ent­wick­lung kei­ne Unter­schie­de gibt, egal ob man fer­ti­gen Sirup oder Zucker­was­ser füt­tert. Auch Pro­te­in­zu­sät­ze zeig­ten kei­ne Wir­kung [5].

Die Preisfrage

Für Berufs­im­ker und Hob­by­im­ker mit vie­len Völ­kern spielt der Preis der Fut­ters eine Rol­le. Zucker wird beim Dis­coun­ter aktu­ell unter 0,70 €/kg ange­bo­ten. Umge­rech­net auf den Fest­stoff­ge­halt der Fer­tig­si­ru­pe ent­spricht das etwa 0,52 €/kg Sirup. Das ist etwas weni­ger als der bil­ligs­te Fertigsirup.

Dage­gen steht der Auf­wand für das Anrüh­ren des Sirups, der bei Fer­tig­wa­re natür­lich ent­fällt. Die indus­tri­el­len Siru­pe kön­nen auch pro­blem­los bis ins nächs­te Bie­nen­jahr gela­gert wer­den — durch den hohen Zucker­ge­halt nei­gen sie nicht zum Gären.

Aller­dings kann Fer­tig­si­rup über den Inter­net-Han­del auf Grund des hohen Gewichts kaum sinn­voll ver­schickt wer­den. Die meis­ten Händ­ler geben ihn nur bei Selbst­ab­ho­lung oder in gro­ßen Men­gen mit Spe­di­ti­ons­ver­sand ab.

Sirup anrühren

Da ich kei­nen Händ­ler in der Nähe habe und mein Bedarf in die­sem Jahr nur bei weni­gen Kilo­gramm liegt, habe ich mich ent­schie­den, den Sirup selbst aus Haus­halts­zu­cker anzurühren.

Das ist ein­fach: für 5 Liter 1:1 Sirup mischt man in einem gro­ßen Mess­be­cher oder Eimer 3 Liter lau­war­mes Was­ser mit 3 kg Zucker. Der Zucker löst sich schon nach kur­zem Rüh­ren leicht auf. Es ent­steht eine rela­tiv dünn­flüs­si­ge, trans­pa­ren­te Zuckerlösung.

Die Fütterung

Zum Füt­tern wer­den ver­schie­de­nen Sys­te­me ange­bo­ten, zum Bei­spiel Fut­ter­zar­gen wie den Adam-Füt­te­rer und Fut­ter­rah­men. Im ein­fachs­ten und kos­ten­güns­tigs­ten Fal­le tut’s aber auch eine Schüs­sel in einer Leerzarge.

Futterwanne nach einer Woche Fütterung
Fut­ter­wan­ne nach einer Woche: sau­ber ausgeputzt

Ich set­ze auf die Brutz­ar­ge eine Bie­nen­flucht ohne die Plas­tik­ein­sät­ze auf. Dar­auf kommt eine Leerz­ar­ge, in die ich eine ca. 8–10 Liter fas­sen­de Schüs­sel stel­le. Die Bie­nen kön­nen durch die Löcher der Bie­nen­flucht in die Leerz­ar­ge auf­stei­gen, ver­bau­en aber die Leerz­ar­ge nicht mit Waben.

Damit die Bie­nen nicht ertrin­ken, lege ich in die Schüs­sel eine Hand­voll aus­ge­ris­se­nes Gras. Den Sirup schüt­te ich mit dem Mess­be­cher dar­auf. Das soll­te recht zügig pas­sie­ren, um kei­ne Räu­ber anzulocken.

Schließ­lich wird die Leerz­ar­ge mit Folie und Deckel ver­schlos­sen. Es dau­er­te bei mir meh­re­re Tage, bis die Bie­nen began­nen, den Sirup anzu­neh­men und in die Waben umzutragen.

Das sind die Fut­ter­men­gen bisher:

2. August: 5 Liter (3kg Zucker)
11. August: 1,5 Liter (1kg Zucker)
12. August: 1,5 Liter (1kg Zucker)
21. August: 5,5 Liter (4kg Zucker)
1. Sep­tem­ber: 6 Liter (4kg Zucker)

Gesamt: 19,5 Liter (13kg Zucker)

Ab Ende August habe ich die Kon­zen­tra­ti­on des Sirups leicht auf etwa 4:3 erhöht. Das scheint die Men­ge an Zucker zu sein, die sich noch leicht in lau­war­mem Was­ser löst. Dar­über hat­te ich immer noch Kris­tal­le in der Lösung.

Ab Sep­tem­ber kamen die auf einem Win­zer­fest gesam­mel­ten Kor­ken als Schwimm­hil­fe zum Ein­satz. Zwar gab es mit dem Gras auch kei­ne Pro­ble­me wie grö­ße­re Men­gen an ertrun­ke­nen Bie­nen, aber die zurück­ge­blie­be­nen Gras­res­te waren mir immer unsym­pa­thisch. Die Kor­ken las­sen sich leicht rei­ni­gen und prak­tisch unbe­grenzt wie­der­ver­wen­den. Ich bin gespannt, ob die Bie­nen damit eben­so gut klarkommen.


Quel­len:

  1. Imker Weins­berg­tal: Fut­ter­mit­tel­re­port 2015
  2. Bie­nen­we­ber: Pro­dukt­spe­zi­fi­ka­ti­on Api Food 75–15
  3. Nord­zu­cker: Bie­nen­ge­rech­te Füt­te­rung in der Praxis
  4. Süd­zu­cker: Daten­blatt Apiinvert
  5. Dr. Lie­big: Pos­ter zur Füt­te­rung mit Futtersirup

Stimmt die Dosierung?

Die Bedin­gun­gen für die Var­roa-Behand­lung sind nicht gera­de ide­al. Zu Beginn reg­ne­te es und die Tem­pe­ra­tur lag unter 20°C. Heu­te ok, durch­wach­se­nes Wet­ter bei 23°C. Am Wochen­en­de dann bis 29°C und danach wie­der Gewit­ter… so ein Durch­ein­an­der! Wie soll man da die Dosie­rung für die Amei­sen­säu­re kor­rekt einstellen?

Aber was soll’s, die Behand­lung war drin­gend nötig.

Kippkontrolle

Wich­tig ist, die Ver­dunstungs­men­ge zu kon­trol­lie­ren und bei grö­ße­ren Abwei­chun­gen zu kor­ri­gie­ren. Am ers­ten Tag war sie mit 20ml nur etwas unter den emp­foh­le­nen 30–40ml. Am zwei­ten Tag aber mit nur 10ml viel zu gering, obwohl ein gan­zes Dochtblatt ein­ge­legt war. Das lag am feuch­ten und kal­ten Wetter.

Kippkontrolle zum Check der Dosierung
Kipp­kon­trol­leam 3. Tag: noch 90ml Amei­sen­säu­re im Dosierungsfläschchen

Also wei­ter beob­ach­ten! Hier die Tabel­le mit den täg­li­chen Werten:

TagFla­schen­in­haltVer­dunstungs­men­ge
Mo, 24.7.2017140ml20ml
Di, 25.7.2017120ml10ml
Mi, 26.7.2017110ml20ml
Do, 27.7.201790ml20ml*
Fr, 28.7.2017-20ml*
Sa, 29.7.2017-30ml*
So, 30.7.201720ml20ml
Mo, 31.7.20170-

* am Wochen­en­de nicht täg­lich abge­le­sen, Tages­wer­te geschätzt

Milbenfall

Den Erfolg kon­trol­lie­re ich anhand der Anzahl der gefal­le­nen Mil­ben. Am ers­ten und zwei­ten Tag waren es nur wenig mehr als der natür­li­che Abfall, am drit­ten Tag schon deut­lich mehr, sie­he unten.

Gemüll am 3. Tag
Gemüll am 3. Tag

Links im Bild eini­ge Ohren­k­nei­fer, die sich schein­bar vom Gemüll ernäh­ren und even­tu­ell schon eini­ge Mil­ben fort­ge­schleppt haben. Es dürf­ten trotz­dem noch eini­ge Hun­dert auf den Schie­ber gefal­len sein (Klickt auf das Bild, um es in Ori­gi­nal­auf­lö­sung zu sehen).

Erste Varroa-Behandlung

Wie im letz­ten Bei­trag schon ange­kün­digt, habe ich heu­te mit der ers­ten Var­roa-Behand­lung begon­nen. Die Inven­tur hat­te ja den hohen Wert von fast 50 gefal­le­nen Mil­ben pro Tag erge­ben, was nach schnel­lem Han­deln rief.

Heu­te Abend, kurz vor Beginn des Regens, habe ich den Stock geöff­net und eine Leerz­ar­ge auf­ge­setzt. Auf die Rähm­chen des obe­ren Brut­raums kam dann der Lie­big-Ver­duns­ter (der heu­te Vor­mit­tag doch noch recht­zei­tig ange­kom­men war) mit 140 ml Amei­sen­säu­re 60%.

Dann habe ich die Beu­te wie­der mit Folie und Deckeln ver­schlos­sen. Das Flug­loch bleibt wie bis­her offen.

Dosierung bei 60%iger Ameisensäure

Wer noch älte­re Anlei­tun­gen oder Dosie­rungs­fläsch­chen für den Lie­big-Dis­pen­ser hat, fin­det dort nur die Anwei­sun­gen für 85%ige Amei­sen­säu­re (AS). In Deutsch­land ist aber nur 60%ige AS zuge­las­sen. Nur auf neue­ren Fla­schen fin­det man bei­de Anga­ben wie in der Tabel­le unten.

Beu­ten­typAmei­sen­säu­reVer­duns­tung pro Tag
%JuliSep­tem­ber
1 Zar­ge85%50ml100ml10–15ml
60%140ml140ml20–25ml
2 Zar­gen85%100ml200ml20–30ml
60%200ml200ml30–40ml
Dadant, DNMAZ85%100ml200ml15–20ml
60%200ml200ml25–30ml
Schwei­zer Kasten85%50ml100ml10–15ml
60%140ml140ml20–25ml

Auch die Dochtflä­che ist je nach AS-Kon­zen­tra­ti­on unter­schied­lich. Bei 60%iger Amei­sen­säu­re wird für ein Volk auf zwei Zan­der- oder Lang­stroth-Zar­gen ein gan­zer Docht emp­foh­len, für einz­ar­gi­ge Völ­ker 3/4 und für Dadant- und zweiz­ar­gi­ge DNM-Völ­ker 7/8. Wich­tig ist, dar­auf zu ach­ten, dass man nur ein Blatt benutzt und nicht ver­se­hent­lich zwei Blät­ter übereinander.

Wie wirkt die Ameisensäure?

Die Amei­sen­säu­re tropft lang­sam auf das Dis­pen­ser-Vlies, ver­duns­tet und ver­teilt sich in der Stock­luft. Die Kon­zen­tra­ti­on der Amei­sen­säu­re­dämp­fe steigt zu Beginn lang­sam an und bleibt dann bis zum Ende nahe­zu kon­stant [2]. Je nach Tem­pe­ra­tur und Dochtflä­che soll­te es eini­ge Tage bis zwei Wochen dau­ern, bis das Fläsch­chen leer ist.

Die Amei­sen­säu­re behin­dert die Atmung der Mil­ben schon bei gerin­ge­ren Kon­zen­tra­tio­nen als bei Brut und Bie­nen [1]. Bei pas­sen­der Dosie­rung soll­ten also die Mil­ben am stärks­ten geschä­digt wer­den und in gro­ßer Zahl abfal­len. Ledig­lich die jün­ge­re Brut und gera­de schlüp­fen­de Bie­nen reagie­ren ähn­lich emp­find­lich und kön­nen auch mit­ge­schä­digt werden.

Zuckerbrot nach der Peitsche

Direkt nach der The­ra­pie wer­de ich mit Zucker­was­ser 1:1 auf­füt­tern. Ich hof­fe nur, dass die Pre­mie­re der Var­roa-Behand­lung erfolg­reich ist und mei­ne Bie­nen und der größ­te Teil der Brut die Pro­ze­dur weit­ge­hend von Mil­ben befreit überleben.


  1. Bol­li, Bogd­a­nov, Imdorf, Fluri: Zur Wir­kungs­wei­se von Amei­sen­säu­re
    In Apido­lo­gie Nr. 24/1993 Sei­te 51ff
  2. Dr. Lie­big: Ein­fach imkern, 3. Auf­la­ge 2011, Sei­te 189

Varroa-Inventur

Ges­tern war der Schie­ber 3 Tage unter der Beu­te (sie­he auch Mitt­som­mer Inven­tur). Damit war es Zeit, die gefal­le­nen Var­roa-Mil­ben zu zäh­len. Ich ahn­te ja schon nichts gutes, denn der Able­ger war ja im Mai unbe­han­delt zu mir gekom­men. Die Mil­ben hat­ten damit alle Zeit der Welt, um sich unge­stört zu vermehren.

Die Zäh­lung war nicht so ein­fach, weil man die Var­roa-Mil­ben sehr leicht mit Wachs­stück­chen oder ande­rem Abfall ähn­li­cher Grö­ße ver­wech­seln kann. Aber mit etwas Übung kann man sie an der gleich­mä­ßig ova­len Form, der Grö­ße von gut 1mm Durch­mes­ser, der leich­ten Wöl­bung des Kör­pers und den win­zi­gen Füh­lern oder Bei­nen an einer Längs­sei­te erken­nen. Die Far­be reicht von Dun­kel­braun bei tot abge­fal­le­nen Exem­pla­ren bis zu hel­lem, halb­trans­pa­ren­ten Ocker bei jün­ge­ren Milben.

Ins­ge­samt waren nach drei Tagen 145 Mil­ben gefal­len. Das sind also etwa 48 pro Tag. Laut Lie­big [1] ist bei mehr als 10 Mil­ben täg­lich eine bal­di­ge Behand­lung nötig. Bei mehr als 50 Mil­ben pro Tag muss sofort behan­delt wer­den — ich bin also hart an die­ser Gren­ze. Da die Wet­ter­pro­gno­se aber bis zum Wochen­en­de noch um die 30 Grad Höchst­tem­pe­ra­tur vor­her­sagt, wer­de ich damit noch bis zum Anfang nächs­ter Woche warten.

Improvisierter Verdunster

improvisierter Verdunster zur Varroa-Behandlung
impro­vi­sier­ter Verdunster

Bis dahin wird die bestell­te Milch­säu­re und der Ver­duns­ter wahr­schein­lich noch nicht ange­kom­men sein. Daher habe ich mit einem alten Dosier­fläsch­chen, einem Hal­ter aus Holz­res­ten, einem Lie­big-Docht und einem Tel­ler einen Ver­duns­ter impro­vi­siert, der dann am Mon­tag zum Ein­satz kom­men wird.

Zur Var­roa-Behand­lung stel­le ich auf den obe­ren Brut­raum eine Leerz­ar­ge. Den Ver­duns­ter plat­zie­re ich auf die Rähm­chen des Brut­raums. Die Fla­sche set­ze ich geöff­net so ein, dass die Tropf­öff­nung auf dem Docht auf­liegt. Die Zar­ge ver­schlie­ße ich dann mit Folie und Deckel und set­ze den Boden­schie­ber ein. So blei­ben die Milch­säu­re­düns­te mög­lichst lan­ge im Stock.

Bei 20 bis 25°C sol­len dann bei geschlos­se­nem Schie­ber inner­halb weni­ger Tage etwa 140 Mil­li­li­ter 60%ige Amei­sen­säu­re gleich­mä­ßig ver­duns­ten und für einen mas­si­ven Mil­ben­ab­fall sor­gen. Beim Aus­zäh­len der Mil­ben auf dem Schie­ber kann der Erfolg kon­trol­liert werden.

Eine drit­te Kon­trol­le des Mil­ben­ab­falls zwei Wochen nach der Behand­lung soll­te dann den Erfolg anzei­gen. Im Ide­al­fall fällt kei­ne oder maxi­mal eine Mil­be pro Tag. Nur dann kön­nen im August und Sep­tem­ber noch genug gesun­de Win­ter­bie­nen schlüpfen.


[1] Dr. Lie­big: Ein­fach Imkern, 3. Auf­la­ge 2011, Sei­te 85

Mittsommer-Inventur

Heu­te woll­te ich es ganz genau wis­sen: wie vie­le Bie­nen hat mein Able­ger inzwi­schen? Wie viel Brut wird dem­nächst noch schlüp­fen? Und natür­lich: wie­viel Honig und Pol­len sind ein­ge­la­gert? Eine Inven­tur steht an.

Man kommt nicht umhin, dafür den Stock zu öff­nen und für alle Zar­gen jedes Rähm­chen zu zie­hen. Aller­dings muss man nicht jede ein­zel­ne Bie­ne, Brut- und Fut­ter­zel­le zäh­len, son­dern kann das mit der Lie­be­fel­der Schätz­me­tho­de [1] recht ein­fach und genau abschätzen.

Die Liebefelder Schätzmethode

Dazu teilt man das Rähm­chen im Geis­te in acht glei­che Tei­le (man kann auch ein mit Gum­mis in acht Tei­le geteil­tes Hilfs­rähm­chen auf­le­gen) und schätzt jeweils für bei­de Sei­ten, wie vie­le Ach­tel der Flä­che mit Bie­nen besetzt und wie­vie­le mit Brut- oder Fut­ter­zel­len belegt sind.

Die­se Zah­len notiert man sich für jede Rähm­chen­sei­te. Die Nume­rie­rung der Sei­ten folgt fol­gen­dem Schema:

Numerierungsschema der Rähmchen
Abbil­dung 1: Nume­rie­rungs­sche­ma der Rähmchen

Die Schät­zung kann man sich für jede Zar­ge in eine Tabel­le wie die fol­gen­de eintragen:

Inventur einer Zarge
Abbil­dung 2: Inven­tur einer Zarge

Eine voll mit Bie­nen besetz­te Rähm­chen­sei­te zählt etwa 1.000 Bie­nen, ein Ach­tel also etwa 125. Eine Mit­tel­wand­sei­te kann etwa 3.200 Arbei­te­rin­nen­zel­len auf­neh­men, auf einem Ach­ten sind es also etwa 400. Und ein voll beleg­tes Honi­grähm­chen wiegt pro Sei­te etwa ein Kilo­gramm, das macht 125g Honig je Achtel.

Ergebnis der Inventur

Hat man alle Rähm­chen­sei­ten geschätzt, mul­ti­pli­ziert man die ermit­tel­ten Ach­tel ein­fach für Bie­nen mit 125, für Brut­zel­len mit 400 und für Honig mit 125g und erhält somit die Gesamt­bi­lanz. Die Wer­te aller Zar­gen eines Vol­kes addiert man am Ende.

Bei mei­nem Able­ger, der immer noch nur zwei Brut­räu­me belegt und kei­nen Honig­raum trägt, sah das Ergeb­nis fol­gen­der­ma­ßen aus:

Gesamtergebnis der Inventur
Abbil­dung 3: Gesamt­er­geb­nis der Inventur

Das Volk ist mit etwa 17.000 Bie­nen, die zum größ­ten Teil noch im unte­ren Brut­raum sit­zen, schon recht stark, und aus den über 25.000 Brut­zel­len soll­ten auch noch genü­gend Bie­nen schlüp­fen, um stark in den Win­ter zu kom­men. Besorg­nis­er­re­gend ist aller­dings der Fut­ter­vor­rat: nur knapp 3 Kilo­gramm Honig sind doch sehr wenig und rei­chen kei­nes­falls ais Win­ter­re­ser­ve. Der Honig­vor­rat ist aller­dings sehr vor­sich­tig geschätzt, weil ich nicht alle unver­de­ckel­ten Honig­zel­len mit­ge­zählt habe.

Für die nächs­te Woche ist noch ein­mal war­mes, tro­cke­nes Wet­ter vor­her­ge­sagt, und mein Gar­ten gibt mit Blü­ten von Senf, Phace­lia, Son­nen­blu­men und diver­sen Kräu­tern und Gemü­sen  noch eini­ges an Fut­ter her. Daher will ich nicht sofort auf­füt­tern. Ich muss den Fut­ter­vor­rat aber genau im Auge behal­ten, um nicht zu ris­kie­ren, dass aus Fut­ter­man­gel eine Brut­pau­se einsetzt.

Die Varroa-Behandlung vorbereiten

Nach Ende der Inven­tur habe ich die Boden­schub­la­de ein­ge­setzt, um in drei Tagen den Var­ro­afall beur­tei­len zu kön­nen. Das küh­le Wet­ter des Wochen­en­des ist dazu die bes­te Gele­gen­heit. Die Ober­flä­che des Ein­schubs habe ich dünn mit Spei­se­öl bestri­chen, damit die Mil­ben bes­ser haf­ten blei­ben und nicht z. B. von Amei­sen fort­ge­schleppt wer­den können.

Dass es die­ses Jaht noch nichts mit eige­nem Honig wird, ist jetzt ganz sicher. Die Chan­cen, ein star­kes Volk ein- und gesund wie­der aus­zu­win­tern ste­hen aber sehr gut.


[1] Lie­be­fel­der Schätz­me­tho­de im Bie­nen­jour­nal vom 20.10.2016


Die Kal­ku­la­ti­ons­map­pe, die ich zur Inven­tur benutzt habe, könnt ihr euch gern für Libre­Of­fice oder Micro­soft Office hier herunterladen:

Honigraum oder nicht?

Nach­dem das Wet­ter mich eini­ge Tage von der nächs­ten Durch­sicht abge­hal­ten hat, klapp­te es heu­te mor­gen in der Pau­se zwi­schen zwei Regen­schau­ern end­lich. Kann ich jetzt doch noch den Honig­raum aufsetzen?

In den letz­ten Tagen war teil­wei­se wirk­lich viel Betrieb vor dem Flug­loch, und als ich ges­tern eini­ge Bie­nen ster­zeln sah, hat­te ich schon Angst, dass even­tu­ell doch ein Schwarm abge­gan­gen sein könn­te. Im Gar­ten war aber nichts zu entdecken.

Nach dem Abhe­ben des Deckels gab es aber dann Ent­war­nung: der obe­re Brut­raum war nur etwa zur Hälf­te aus­ge­baut, und zwar kom­plett mit Honig­wa­ben. Die jeweils zwei äuße­ren Waben hat­ten noch völ­lig lee­re Mit­tel­wän­de. Die 3–4 fast vol­len Honig­wa­ben in der Mit­te waren noch nicht verdeckelt.

Im unte­ren Brut­raum waren prak­tisch nur die 5 Rähm­chen mit Brut belegt, die ich schon als Able­ger bekom­men hat­te (damals waren das 2 Brut-, eine Pol­len- und zwei Honig­wa­ben). Dazu waren unten noch eini­ge Honig- und Pol­len­wa­ben und zwei lee­re Mit­tel­wän­de außen zu sehen. Die Gas­sen zwi­schen den beleg­ten Waben waren dicht vol­ler Bienen.

Scha­de, in die­sem Zustand lohnt das Auf­set­zen des Honig­raums nicht — also doch kei­ne Ern­te die­se Jahr. Even­tu­ell kann man ja ein paar der Honig­wa­ben aus dem obe­ren Brut­raum schleu­dern, wenn sie brut­frei sind und genug Fut­ter da ist. Bes­ser wird es aber wohl sein, die über­zäh­li­gen Honig­wa­ben als Not­fut­ter bis zum nächs­ten Früh­jahr aufzuheben.

In der Auf­re­gung habe ich ver­ges­sen, nach fri­scher Brut und Wei­sel­zel­len zu suchen — ärger­lich! So kann ich nur hof­fen, dass die Köni­gin flei­ßig am Legen ist und das Volk kei­ne Ver­an­las­sung hat, Köni­gin­nen nach­zu­zie­hen und viel­leicht sogar zu schwär­men. Am feh­len­den Platz kann es jeden­falls nicht liegen.

Trachtpflanze Endivien?

Vie­le wer­den mit ihrem Salat nie die­ses Sta­di­um erle­ben. Unse­re Endi­vi­en-Pflänz­chen haben wir letz­tes Jahr nicht mehr abern­ten kön­nen, und so über­win­ter­ten sie uner­war­te­ter Wei­se fast komplett.

Auch die­ses Jahr haben wir sie kaum geern­tet, weil die Blät­ter doch schon etwas zäh und bit­ter waren. So konn­ten sie aus­wach­sen und schließ­lich Unmen­gen von Blü­ten bil­den. Die an Korn­blu­men erin­nern­den blau­en Blü­ten öff­nen sich am frü­hen Mor­gen und sind zur Mit­tags­hit­ze schon wie­der verschlossen.

Die Bie­nen schei­nen die Blü­ten zu lie­ben, denn an ihnen konn­te ich das ers­te mal im eige­nen Gar­ten Unmen­gen von Bie­nen ent­de­cken — alle ande­ren Blü­ten haben sie bis­her mehr oder weni­ger ignoriert.

Wäh­rend die moder­ne Imker­li­te­ra­tur nichts über Endi­vi­en ver­lau­ten lässt, schrieb schon das 1805 in Frank­furt erschie­ne­ne “All­ge­mei­nes theo­re­tisch-prak­ti­sches Wör­ter­buch über die Bie­nen und die Bie­nen­zucht” folgendes:

Buchausriss über Endivien

Haben wir also eine alt­be­kann­te, aber in Ver­ges­sen­heit gera­te­ne Bie­nen­tracht wiederentdeckt?

Zweite Durchsicht

Ja, ich weiß, als Anfän­ger öff­net man die Beu­te viel zu oft und hält die Bie­nen nur von ihrer Arbeit ab. Deut­lich war das auch bei mei­ner zwei­ten Durch­sicht Heu­te Nach­mit­tag zu sehen. Vor dem Öff­nen gab es noch dich­tes Gewu­sel vor dem Flug­loch. Danach war für den Rest des Tages nur noch ganz wenig Flugverkehr.

Trotz­dem woll­te ich unbe­dingt wis­sen, wie der zwei­te Brut­raum ange­nom­men wird und ob ich even­tu­ell sogar bald den Honig­raum auf­set­zen kann.

Lei­der wur­de ich ent­täuscht. Der obe­re Brut­raum war gut eine Woche nach dem Auf­setz­ten kaum ver­än­dert. Man­gels aus­ge­bau­ter Waben hat­te ihn ja kom­plett mit Mit­tel­wän­den aus­ge­stat­tet. Nur direkt über dem Brut­nest der unte­ren Zar­ge haben die Bie­nen begon­nen, eine Mit­tel­wand aus­zu­bau­en. Ansons­ten so gut wie unbe­rühr­te Mittelwände.

Damit ist wohl mein — zuge­ge­ben unrea­lis­ti­scher — Traum von einer Honig­ern­te in der ers­ten Sai­son mei­nes Able­gers geplatzt. Es steht zwar noch die Lin­den­blü­te vor der Tür, aber ich glau­be nicht mehr, dass das Volk noch so wächst, dass mehr als der not­wen­di­ge Win­ter­vor­rat der Bie­nen an Honig zusammenkommt.

Hät­te ich doch gleich zufüt­tern sollen?

Wo ist die Königin?

Eigent­lich hät­te mir das schon bei der ers­ten Durch­sicht auf­fal­len müs­sen: rein rech­ne­risch dürf­te ich selbst jetzt noch gar kei­ne fri­sche, geschwei­ge denn ver­de­ckel­te Brut haben. Eine Köni­gin braucht 16 Tage zum Schlüp­fen (3 Tage Ei, 5 Tage Lar­ve, 8 Tage Pup­pe) und wei­te­re ein bis zwei Wochen, um geschlechts­reif zu wer­den, zum Begat­tungs­flug zu star­ten und mit dem Legen zu beginnen.

(Hier eine Über­sicht über die Entwicklungszeiten)

Den Able­ger hat­ten wir am 17. Mai gebil­det. Das bedeu­tet, dass das Volk nach einer guten Woche (also etwa am 25. Mai) brut­frei sein müss­te und frü­hes­tens drei, eher erst vier Wochen danach fri­sche Brut vor­han­den sein dürf­te. Ver­de­ckel­te Brut braucht noch eine wei­te­re Woche , könn­te also frü­hes­tens ab etwa 15. Juni vor­han­den sein.

Bei der Durch­sicht am 31. Mai, zwei Wochen nach Bil­dung des Able­gers, ist sowohl fri­sche als auch ver­de­ckel­te Brut vor­han­den. Das heißt, dass eine Köni­gin im Volk ist, die seit mehr als einer Woche stiftet.

Der Anruf von mei­nem Imker­pa­ten ges­tern bestä­tig­te das dann auch. Sei­ne Durch­sicht des “Spen­der­volks” hat erge­ben, dass es kei­ne fri­sche Brut gibt. Dafür sind aber jede Men­ge Nach­schaf­fungs­zel­len vor­han­den. Wir haben also bei der Bil­dung des Able­gers wohl die Köni­gin mit erwischt, die sich jetzt in mei­nem Able­ger offen­sicht­lich bes­ter Gesund­heit erfreut und aktiv ist.

Für das Spen­der­volk bedeu­tet das eine mehr­wö­chi­ge Brut­pau­se, ein dadurch schwä­che­res Volk und in Fol­ge eine ent­spre­chend gerin­ge­re Honigernte.

Dass wir mit unse­rem unfrei­wii­li­gen Köni­gin­nen-Raub den Schwarm­trieb des Spen­der­vol­kes wohl nach­hal­tig gedämpft haben, ist nur ein schwa­cher Trost.

Ursa­che des gan­zen war, dass wir die Köni­gin nicht sicher erken­nen konn­ten. Sie war (und ist) nicht gezeich­net, was das Erken­nen bei voll besetz­ten Waben sehr schwer macht. Eigent­lich woll­te ich mir eben­so den Auf­wand und die Auf­re­gung, die die Zeich­nung für Volk und Köni­gin bedeu­ten, spa­ren. Nach die­ser Akti­on gerät mein Ent­schluss aber in’s Wanken.

Erste Durchsicht

Am ver­gan­ge­nen Mitt­woch, zwei Wochen nach Bil­dung des Able­gers, war mein Imker­pa­te bei mir am Stand und hat mit mir die ers­te Durch­sicht gemacht. Das Volk hat sich präch­tig entwickelt!

Mini-Durchsicht

Wir haben nur eini­ge Waben gezo­gen, um nicht zu viel Unru­he zu erzeu­gen. Es waren 7 Waben voll besetzt, davon min­des­tens 2 fast voll­stän­dig ver­de­ckel­te Brut­waben. Da ist also in den nächs­ten Tagen mit kräf­ti­gem Zuwachs zu rechnen!

Wir haben dann den zwei­ten Brut­raum auf­ge­setzt. Er ist man­gels aus­ge­bau­ter Waben voll­stän­dig mit Mit­tel­wän­den aus­ge­stat­tet. Eigent­lich woll­te ich auch einen Bau­rah­men für Droh­nen­brut ein­hän­gen, aber die Rähm­chen-Lie­fe­rung kam lei­der nicht recht­zei­tig an.

Flugloch auf!

Am nächs­ten Mor­gen habe ich dann auch die Flug­loch­ein­engung  kom­plett her­aus­ge­nom­men, nach­dem ich das Flug­loch eine Woche zuvor schon ver­grö­ßert hat­te. Der Flug­ver­kehr hat­te in den war­men Tagen ste­tig zuge­nom­men und schon wie­der zu klei­nen Staus am Flug­loch geführt. Sogar heu­te, wo es in Ber­lin immer wie­der reg­net, sind die Bie­nen unter­wegs, kaum weni­ger als an den tro­cke­nen Tagen.

Die nächs­te Kon­trol­le mache ich dann Mit­te nächs­ter Woche. Ein kur­zer Blick von oben auf den zwei­ten Brut­raum muss genü­gen, um zu sehen, inwie­weit er schon gefüllt wur­de. Wenn er zügig aus­ge­baut wird, kann ich viel­leicht schon bald den Honig­raum auf­set­zen und kom­me doch schon in die­ser ers­ten Sai­son zu mei­nem ers­ten Honig!