Stimmt die Dosierung?

Die Bedin­gun­gen für die Var­roa-Behand­lung sind nicht gera­de ide­al. Zu Beginn reg­ne­te es und die Tem­pe­ra­tur lag unter 20°C. Heu­te ok, durch­wach­se­nes Wet­ter bei 23°C. Am Wochen­en­de dann bis 29°C und danach wie­der Gewit­ter… so ein Durch­ein­an­der! Wie soll man da die Dosie­rung für die Amei­sen­säu­re kor­rekt einstellen?

Aber was soll’s, die Behand­lung war drin­gend nötig.

Kippkontrolle

Wich­tig ist, die Ver­dunstungs­men­ge zu kon­trol­lie­ren und bei grö­ße­ren Abwei­chun­gen zu kor­ri­gie­ren. Am ers­ten Tag war sie mit 20ml nur etwas unter den emp­foh­le­nen 30–40ml. Am zwei­ten Tag aber mit nur 10ml viel zu gering, obwohl ein gan­zes Dochtblatt ein­ge­legt war. Das lag am feuch­ten und kal­ten Wetter.

Kippkontrolle zum Check der Dosierung
Kipp­kon­trol­leam 3. Tag: noch 90ml Amei­sen­säu­re im Dosierungsfläschchen

Also wei­ter beob­ach­ten! Hier die Tabel­le mit den täg­li­chen Werten:

TagFla­schen­in­haltVer­dunstungs­men­ge
Mo, 24.7.2017140ml20ml
Di, 25.7.2017120ml10ml
Mi, 26.7.2017110ml20ml
Do, 27.7.201790ml20ml*
Fr, 28.7.2017-20ml*
Sa, 29.7.2017-30ml*
So, 30.7.201720ml20ml
Mo, 31.7.20170-

* am Wochen­en­de nicht täg­lich abge­le­sen, Tages­wer­te geschätzt

Milbenfall

Den Erfolg kon­trol­lie­re ich anhand der Anzahl der gefal­le­nen Mil­ben. Am ers­ten und zwei­ten Tag waren es nur wenig mehr als der natür­li­che Abfall, am drit­ten Tag schon deut­lich mehr, sie­he unten.

Gemüll am 3. Tag
Gemüll am 3. Tag

Links im Bild eini­ge Ohren­k­nei­fer, die sich schein­bar vom Gemüll ernäh­ren und even­tu­ell schon eini­ge Mil­ben fort­ge­schleppt haben. Es dürf­ten trotz­dem noch eini­ge Hun­dert auf den Schie­ber gefal­len sein (Klickt auf das Bild, um es in Ori­gi­nal­auf­lö­sung zu sehen).

Erste Varroa-Behandlung

Wie im letz­ten Bei­trag schon ange­kün­digt, habe ich heu­te mit der ers­ten Var­roa-Behand­lung begon­nen. Die Inven­tur hat­te ja den hohen Wert von fast 50 gefal­le­nen Mil­ben pro Tag erge­ben, was nach schnel­lem Han­deln rief.

Heu­te Abend, kurz vor Beginn des Regens, habe ich den Stock geöff­net und eine Leerz­ar­ge auf­ge­setzt. Auf die Rähm­chen des obe­ren Brut­raums kam dann der Lie­big-Ver­duns­ter (der heu­te Vor­mit­tag doch noch recht­zei­tig ange­kom­men war) mit 140 ml Amei­sen­säu­re 60%.

Dann habe ich die Beu­te wie­der mit Folie und Deckeln ver­schlos­sen. Das Flug­loch bleibt wie bis­her offen.

Dosierung bei 60%iger Ameisensäure

Wer noch älte­re Anlei­tun­gen oder Dosie­rungs­fläsch­chen für den Lie­big-Dis­pen­ser hat, fin­det dort nur die Anwei­sun­gen für 85%ige Amei­sen­säu­re (AS). In Deutsch­land ist aber nur 60%ige AS zuge­las­sen. Nur auf neue­ren Fla­schen fin­det man bei­de Anga­ben wie in der Tabel­le unten.

Beu­ten­typAmei­sen­säu­reVer­duns­tung pro Tag
%JuliSep­tem­ber
1 Zar­ge85%50ml100ml10–15ml
60%140ml140ml20–25ml
2 Zar­gen85%100ml200ml20–30ml
60%200ml200ml30–40ml
Dadant, DNMAZ85%100ml200ml15–20ml
60%200ml200ml25–30ml
Schwei­zer Kasten85%50ml100ml10–15ml
60%140ml140ml20–25ml

Auch die Dochtflä­che ist je nach AS-Kon­zen­tra­ti­on unter­schied­lich. Bei 60%iger Amei­sen­säu­re wird für ein Volk auf zwei Zan­der- oder Lang­stroth-Zar­gen ein gan­zer Docht emp­foh­len, für einz­ar­gi­ge Völ­ker 3/4 und für Dadant- und zweiz­ar­gi­ge DNM-Völ­ker 7/8. Wich­tig ist, dar­auf zu ach­ten, dass man nur ein Blatt benutzt und nicht ver­se­hent­lich zwei Blät­ter übereinander.

Wie wirkt die Ameisensäure?

Die Amei­sen­säu­re tropft lang­sam auf das Dis­pen­ser-Vlies, ver­duns­tet und ver­teilt sich in der Stock­luft. Die Kon­zen­tra­ti­on der Amei­sen­säu­re­dämp­fe steigt zu Beginn lang­sam an und bleibt dann bis zum Ende nahe­zu kon­stant [2]. Je nach Tem­pe­ra­tur und Dochtflä­che soll­te es eini­ge Tage bis zwei Wochen dau­ern, bis das Fläsch­chen leer ist.

Die Amei­sen­säu­re behin­dert die Atmung der Mil­ben schon bei gerin­ge­ren Kon­zen­tra­tio­nen als bei Brut und Bie­nen [1]. Bei pas­sen­der Dosie­rung soll­ten also die Mil­ben am stärks­ten geschä­digt wer­den und in gro­ßer Zahl abfal­len. Ledig­lich die jün­ge­re Brut und gera­de schlüp­fen­de Bie­nen reagie­ren ähn­lich emp­find­lich und kön­nen auch mit­ge­schä­digt werden.

Zuckerbrot nach der Peitsche

Direkt nach der The­ra­pie wer­de ich mit Zucker­was­ser 1:1 auf­füt­tern. Ich hof­fe nur, dass die Pre­mie­re der Var­roa-Behand­lung erfolg­reich ist und mei­ne Bie­nen und der größ­te Teil der Brut die Pro­ze­dur weit­ge­hend von Mil­ben befreit überleben.


  1. Bol­li, Bogd­a­nov, Imdorf, Fluri: Zur Wir­kungs­wei­se von Amei­sen­säu­re
    In Apido­lo­gie Nr. 24/1993 Sei­te 51ff
  2. Dr. Lie­big: Ein­fach imkern, 3. Auf­la­ge 2011, Sei­te 189

Varroa-Inventur

Ges­tern war der Schie­ber 3 Tage unter der Beu­te (sie­he auch Mitt­som­mer Inven­tur). Damit war es Zeit, die gefal­le­nen Var­roa-Mil­ben zu zäh­len. Ich ahn­te ja schon nichts gutes, denn der Able­ger war ja im Mai unbe­han­delt zu mir gekom­men. Die Mil­ben hat­ten damit alle Zeit der Welt, um sich unge­stört zu vermehren.

Die Zäh­lung war nicht so ein­fach, weil man die Var­roa-Mil­ben sehr leicht mit Wachs­stück­chen oder ande­rem Abfall ähn­li­cher Grö­ße ver­wech­seln kann. Aber mit etwas Übung kann man sie an der gleich­mä­ßig ova­len Form, der Grö­ße von gut 1mm Durch­mes­ser, der leich­ten Wöl­bung des Kör­pers und den win­zi­gen Füh­lern oder Bei­nen an einer Längs­sei­te erken­nen. Die Far­be reicht von Dun­kel­braun bei tot abge­fal­le­nen Exem­pla­ren bis zu hel­lem, halb­trans­pa­ren­ten Ocker bei jün­ge­ren Milben.

Ins­ge­samt waren nach drei Tagen 145 Mil­ben gefal­len. Das sind also etwa 48 pro Tag. Laut Lie­big [1] ist bei mehr als 10 Mil­ben täg­lich eine bal­di­ge Behand­lung nötig. Bei mehr als 50 Mil­ben pro Tag muss sofort behan­delt wer­den — ich bin also hart an die­ser Gren­ze. Da die Wet­ter­pro­gno­se aber bis zum Wochen­en­de noch um die 30 Grad Höchst­tem­pe­ra­tur vor­her­sagt, wer­de ich damit noch bis zum Anfang nächs­ter Woche warten.

Improvisierter Verdunster

improvisierter Verdunster zur Varroa-Behandlung
impro­vi­sier­ter Verdunster

Bis dahin wird die bestell­te Milch­säu­re und der Ver­duns­ter wahr­schein­lich noch nicht ange­kom­men sein. Daher habe ich mit einem alten Dosier­fläsch­chen, einem Hal­ter aus Holz­res­ten, einem Lie­big-Docht und einem Tel­ler einen Ver­duns­ter impro­vi­siert, der dann am Mon­tag zum Ein­satz kom­men wird.

Zur Var­roa-Behand­lung stel­le ich auf den obe­ren Brut­raum eine Leerz­ar­ge. Den Ver­duns­ter plat­zie­re ich auf die Rähm­chen des Brut­raums. Die Fla­sche set­ze ich geöff­net so ein, dass die Tropf­öff­nung auf dem Docht auf­liegt. Die Zar­ge ver­schlie­ße ich dann mit Folie und Deckel und set­ze den Boden­schie­ber ein. So blei­ben die Milch­säu­re­düns­te mög­lichst lan­ge im Stock.

Bei 20 bis 25°C sol­len dann bei geschlos­se­nem Schie­ber inner­halb weni­ger Tage etwa 140 Mil­li­li­ter 60%ige Amei­sen­säu­re gleich­mä­ßig ver­duns­ten und für einen mas­si­ven Mil­ben­ab­fall sor­gen. Beim Aus­zäh­len der Mil­ben auf dem Schie­ber kann der Erfolg kon­trol­liert werden.

Eine drit­te Kon­trol­le des Mil­ben­ab­falls zwei Wochen nach der Behand­lung soll­te dann den Erfolg anzei­gen. Im Ide­al­fall fällt kei­ne oder maxi­mal eine Mil­be pro Tag. Nur dann kön­nen im August und Sep­tem­ber noch genug gesun­de Win­ter­bie­nen schlüpfen.


[1] Dr. Lie­big: Ein­fach Imkern, 3. Auf­la­ge 2011, Sei­te 85